Förderung

Brauchen Auszubildende mit Fluchterfahrung eine andere Art der Förderung während der Ausbildung als andere Auszubildende?
Grundsätzlich nicht, denn als Ausbilder*in sind Sie den Umgang mit unterschiedlichen Voraussetzungen, die Ihre Auszubildenden mitbringen, gewohnt. Die Herausforderung besteht eher darin, die (möglicherweise neuen) Hintergründe der Jugendlichen einzubeziehen. Menschen mit Einwanderungsgeschichte bringen vielfältige Stärken mit. Doch die müssen entdeckt und gefördert werden. Die große Mehrheit der Geflüchteten verfügt über keinerlei Nachweise über formale Bildungsabschlüsse. Oft sind Selbstauskünfte die Basis zur Einschätzung der Fähigkeiten. Das stellt zusätzliche Anforderungen an Ausbilder*innen, wenn sie Qualifikationen und Talente einschätzen. Mehr dazu: Talentcheck: Wie stelle ich Fähigkeiten und Kompetenzen fest?

Dazu Sahar El-Qasem, Interkulturelle Trainerin:

Der Blick auf Talent in anderen Kulturen reicht von „Talent gibt es nicht“ bis hin zu „Die Gestaltung des ganzen Lebens basiert nur auf Talent und ist abhängig von Talent“.

Ich empfehle, sich weniger mit allem, was möglicherweise in anderen Kulturen an Talent-Deutungen existiert, zu befassen. Sie als Ausbilder*in haben eine Devise, nach der Sie handeln und arbeiten. Diese gilt es den Auszubildenden zu erklären, verständlich und transparent. Laden Sie Ihre Auszubildenden dazu ein, ihre eigene Sichtweise auf das, was sie können, darzustellen. Auf diese Weise schaffen Sie einen Rahmen, in dem sich die Auszubildenden ohne Angst vor Beurteilung bewegen können, und helfen ihnen, ihre Fähigkeiten zu erweitern.

Als Ausbilder*in sind Sie Begleiter in der Entwicklung Ihrer Auszubildenden. Doch dazu muss die individuelle Lernausgangslage bekannt sein. Bei Auszubildenden mit Fluchterfahrung kommt es besonders darauf an, auf sprachunabhängige Leistungen und Verhaltensweisen zu achten.
Wichtig bei der passgenauen Förderung, ist

  • die stärkenorientierte Rückmeldung durch die Ausbilder*innen,
  • ein klarer, offener und direkter Stil,
  • ein gemeinsam entwickelter Handlungsrahmen,
  • der Auszubildenden Zugehörigkeit vermittelt und sie zugleich herausfordert.

Unterstützt werden kann dieser Prozess durch:

Bildungspatenschaften

  • Betriebsinterne oder -externe Paten begleiten den/die Auszubildende und helfen bei der beruflichen Weiterentwicklung.


Peers

  • Betriebsinterne oder -externe Geflüchtete engagieren sich für andere Geflüchtete nach dem „peer-to-peer“-Prinzip und geben ihre Erfahrungen bei den ersten Schritten in der Arbeitswelt weiter.


Aus der Praxis

Ein ehemals unbegleiteter minderjähriger Flüchtling, heute Auszubildender in Saarbrücken, erzählt von seinem Weg in die Selbstständigkeit: „Es ist ein schönes Gefühl, sagen zu können: Das habe ich mir erarbeitet.

Mehr dazu
Mehr Unterstützung: Welche Möglichkeiten der außerbetrieblichen Förderung gibt es?