Qualifikation

Die Schulbildung von Geflüchteten ist je nach Herkunftsland, Art der besuchten Schulen und Dauer des Schulbesuchs sehr unterschiedlich. Die vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge im Jahr 2016 herausgegebene Studie, die auf der Befragung von Geflüchteten beruht, hat Folgendes ergeben:

  • Insgesamt haben 55% der Asylsuchenden zehn und mehr Jahre allgemeinbildende Schulen besucht. Viele von ihnen mussten aufgrund von Krieg, Verfolgung und Flucht den Schulbesuch abbrechen.
  • Geflüchtete aus Krisenregionen, in denen schon länger Krieg herrscht (z. B. Afghanistan und Somalia), haben oftmals die Schule abgebrochen oder gar keine Schule besucht.
  • Vergleichsweise hoch ist das Bildungsniveau von Geflüchteten aus Syrien, die bis zum Ausbruch des Kriegs im Jahr 2011 Schulen besuchen konnten.
  • Ebenfalls höher ist das Niveau der Geflüchteten aus dem Iran und der Russischen Föderation.

Insgesamt betrachtet ist es nicht leicht, die Schulbildung zu erfassen, da Schul- und Bildungssysteme in den Herkunftsländern zum Teil ganz anders aufgebaut sind und sich deshalb nicht auf das deutsche System übertragen lassen. Außerdem konnten viele Geflüchtete aufgrund der Situation in ihrem Heimatland die Schule nicht regelmäßig besuchen und/oder keinen Abschluss machen.

Was die berufliche Bildung betrifft, haben 19% der Geflüchteten Universitäten oder andere Hochschulen besucht und 13% einen Abschluss erworben. An einer betrieblichen Ausbildung haben 12% teilgenommen, und 6% haben einen beruflichen Abschluss erworben. Diese relativ geringen Zahlen sind nicht nur auf die Kriegszustände und das Entwicklungsniveau im jeweiligen Herkunftsland zurückzuführen. In den meisten Ländern gibt es kein berufliches Bildungssystem, das man mit dem deutschen vergleichen könnte. Dort wird eine Vielzahl handwerklicher, technischer und kaufmännischer Berufe ohne vorhergehende Ausbildung ausgeübt. Das bedeutet aber auch, dass viele Geflüchtete über berufliche Erfahrungen, nicht aber zertifizierte Ausbildungsabschlüsse verfügen.

Geflüchtete können ihre im Herkunftsland erworbenen Schulabschlüsse und beruflichen Qualifikationen anerkennen lassen.
Zuständig für die Anerkennung von Schulabschlüssen sind die jeweiligen Zeugnisanerkennungsstellen der Bundesländer. Man findet sie im Portal Bewertung ausländischer Bildungsnachweise. Allerdings gibt es kein Anerkennungsverfahren für Schulleistungen, die nicht zu einem Abschluss geführt haben.
Auch Berufsabschlüsse können anerkannt werden. Die zuständigen Stellen zeigt der Anerkennungs-Finder. Hier erfährt man auch, wie berufliche Qualifikationen festgestellt werden können, wenn die erforderlichen schriftlichen Nachweise weder vorliegen noch beschafft werden können.

Wie lange ist ein syrischer Jugendlicher mit einem Sekundarschulabschluss zur Schule gegangen? Welches deutsche Berufsprofil entspricht einem ausländischen Abschluss? Zur Beantwortung dieser Fragen hat das BQ-Portal eine umfangreiche Datenbank zu ausländischen Berufsbildungssystemen zusammengestellt. Es bietet außerdem Informationen und Orientierungshilfen für die Einschätzung ausländischer Zeugnisse.