Sprache

Sprache ist die entscheidende Grundlage für gesellschaftliche Teilhabe und der Spracherwerb für geflüchtete Menschen ein wesentlicher Bestandteil für ihre gelingende Integration. Auszubildende mit Fluchthintergrund brauchen zusätzliche Sprachförderung, damit sie sich verständigen, orientieren und schnell in den Betrieb integrieren können.
Was Sie als Ausbilder*in tun können, um den Spracherwerb der Auszubildenden zu unterstützen, können Sie unter Sprachliche Hürden: Wie meistere ich die Verständigung? lesen.

Doch auch wenn die Sprachkenntnisse schon recht gut sind, können in der Kommunikation Verständigungsprobleme auftauchen. Manche haben ihren Grund darin, dass Gesprächspartner*innen aus unterschiedlichen Kulturen stammen. Manchmal reichen schon ein Perspektivwechsel oder ein paar klärende Worte, um ein Missverständnis aufzulösen.

Um zu verstehen, wie es zu interkulturellen Missverständnissen kommen kann, lohnt ein Blick darauf, welche Aspekte bei der Kommunikation von Bedeutung sind.
Wenn Menschen, die unterschiedlichen Kulturkreisen angehören, miteinander sprechen, folgen sie mitunter verschiedenen Kommunikationsmustern. Dabei geht es nicht nur um die Sprache selbst, sondern auch um die Art, wie etwas ausgedrückt wird, und darum, welche Themen überhaupt angesprochen werden. Aber auch Mimik, Gestik und Körperhaltung spielen eine Rolle.

Ein Beispiel soll verdeutlichen, wie es zu einem Missverständnis kommen kann: In vielen afrikanischen Ländern vermeidet man bei der Begrüßung und im Gespräch den direkten Blickkontakt. Er gilt als unhöflich. In Deutschland dagegen schaut man den Gesprächspartner direkt an und vermittelt ihm damit seine Aufmerksamkeit. Sowohl der Afrikaner als auch der Deutsche wollen mit ihrem Verhalten dem anderen Respekt bezeugen, tun dies aber auf entgegengesetzte Weise.

Auch die Art, ein Gespräch zu führen, kann unterschiedlich sein. In Westeuropa ist es üblich, dass die Gesprächspartner*innen abwechselnd sprechen und dem anderen zuhören. Aktives Zuhören vermittelt, dass das Gesagte aufmerksam verfolgt wird. Das wird in anderen Kulturen ganz anders zum Ausdruck gebracht, nämlich durch ständiges Kommentieren, auch während der andere spricht. Was bei uns als Dazwischenreden und eher mangelnde Aufmerksamkeit interpretiert würde (und durchaus auch zwischen Gesprächspartnern mit denselben kulturellen Hintergründen vorkommt), bedeutet dort das exakte Gegenteil. So kann es zwischen kulturell unterschiedlich sozialisierten Gesprächspartner*innen zu Irritationen und Missverständnissen kommen – aber auch zwischen kulturell gleich geprägten.

Unterschiede gibt es auch auf verbaler Ebene. Derselbe Sachverhalt kann von den einen kurz und bündig, von anderen dagegen lang und ausschweifend vermittelt werden. In einigen Kulturen bedient man sich gerne bildreicher Formulierungen. Westeuropäern ist dies gerade im beruflichen Kontext eher fremd, sie fassen sich oft lieber kurz und reagieren vielleicht mit Ungeduld auf einen langen Redefluss. Diese eher direkte Kommunikationsart könnte von anderen als unfreundlich oder sogar abweisend empfunden werden – eben genau das, was die Redewendung „kurz angebunden“ bedeutet!

Auch in der Tonlage, mit der etwas ausgesprochen wird, kann es Unterschiede geben. So sprechen manche Menschen eher laut und mit vielen Gesten, während andere dazu neigen, leise zu sprechen. Angehörige anderer Kulturkreise können aus der Lautstärke, die ihnen selbst fremd ist, vielleicht falsche Schlüsse ziehen, weil sie ihr Emotionen zuschreiben, die gar nicht ausgedrückt werden.

Missverständnisse sind auf vielen Ebenen der Kommunikation möglich. Doch niemand muss Experte für alle kulturell geprägten Kommunikationsformen werden. Es hilft aber schon, sich dessen bewusst zu sein, dass es Unterschiede geben kann.

In der Kommunikation kann es Missverständnisse geben, und zwar unabhängig davon, ob Menschen denselben kulturellen Hintergrund haben. Die Kommunikationspsychologie hilft dabei, ihnen auf die Spur zu kommen. Ein Beispiel ist das „Nachrichtenquadrat“ von Friedemann Schulz von Thun:
Das Kommunikationsquadrat