#1 Herzlich Willkommen: Wie lernen wir uns kennen?

Begrüßungsrituale sind stark kulturell geprägt. In vielen Ländern ist es üblich, sich per Handschlag zu begrüßen. Je nach Kulturkreis gibt es andere Rituale, zum Beispiel eine leichte Verbeugung oder Wangenküsse. Wer passt sich wem an? Das entscheiden wir oft spontan. Als Ausbilder*in können Sie davon ausgehen: Gerade beim ersten Kontakt möchten die Auszubildenden alles richtig machen, denn schließlich vermittelt und gewinnt man bei der Begrüßung einen ersten Eindruck.

Antworten

Willkommen heißen

Eine vertrauensvolle, freundliche Atmosphäre macht es jedem, für den das Arbeitsleben beginnt, leichter, sich einzufinden.
Bei jeder ersten Begegnung stoßen unterschiedliche Menschen mit möglicherweise anderen Lebensanschauungen aufeinander. Wenn es aufgrund kultureller Unterschiede Unsicherheiten gibt, wie man sich dem anderen gegenüber verhält, ist der einfachste Weg: offen auf die neuen Auszubildenden zugehen.
Ausbilder*innen, die Sicherheit vermitteln, erleichtern Azubis mit Fluchterfahrung den Start.
Es gilt weniger, sich den etwaigen Bedürfnissen der neuen Mitarbeiter*innen anzupassen, als vielmehr Unterschiede zu erkennen und damit umzugehen.

Die Vorstellungsrunde starten

Zum Ausbildungsstart lernen Azubis auch die Kollegen kennen, mit denen sie in Zukunft zusammenarbeiten werden: diejenigen, mit denen sie in einem Team oder einer Abteilung arbeiten, wie auch all jene Mitarbeiter aus anderen Abteilungen, zu denen sie Kontakt haben. Außer den Namen sollten die Azubis auch erfahren, welche Funktionen die anderen haben und welche Tätigkeiten sie ausüben. Wenn viele Mitarbeiter vorgestellt werden, lässt sich gleich zu Beginn klarstellen: Von niemandem wird erwartet, dass er sofort alle Namen und Tätigkeiten behalten kann.
Eine Willkommensmappe, die alle wesentlichen Informationen enthält, erleichtert die Orientierung.

In den Betriebsalltag einführen

Besonders bei Auszubildenden mit Fluchterfahrung ist es wichtig, einen Rahmen zu schaffen, der ihnen die Unsicherheit nimmt, und sie nach und nach in die „Basics“ einzuführen. Also sie mit Arbeitszeiten, Sicherheitsbestimmungen, Arbeitskleidung und Pausenregelungen vertraut zu machen. Ebenso gehören interne Gepflogenheiten dazu, wie zum Beispiel das Siezen und Duzen.
Sehr hilfreich ist es, der/dem Auszubildenden einen Mitarbeiter als Paten zur Seite zu stellen, der für Fragen und Anliegen zur Verfügung steht. Wenn vorhanden, kann der/die Ausbilder*in auf innerbetriebliche Angebote hinweisen, etwa Sprachförderungskurse, Sozial-Coaches oder eine psychosoziale Beratungsstelle.
Mehr dazu: Hintergrundwissen/Beratung

Ins Gespräch kommen

Wer neu in einem Betrieb ist – unabhängig davon, woher er stammt –, ist vielleicht zunächst zurückhaltend. In dem Fall ist es hilfreich, den/die Azubi von sich erzählen zu lassen. Für erste Gespräche mit geflüchteten Auszubildenden gibt es viele Themen und Fragen: Woher kommst du? Wie lange bist du schon hier? Auch Smalltalk über das hiesige Wetter kann ein Thema sein.
Fragen nach den Gründen für die Flucht und deren Umstände eignen sich eher nicht für erste Gespräche. Denn viele Geflüchtete haben Traumatisches erlebt. Wer jedoch von sich aus darüber sprechen möchte, sollte auf offene Ohren stoßen – das bedeutet für Sie als Ausbilder*in aber auch, möglicherweise auf weitere Unterstützungsmöglichkeiten hinzuweisen. Mehr dazu: Hintergrundwissen/Beratung

Anregungen

Wer passt sich wem an?

Im Allgemeinen kann man davon ausgehen, dass sich Menschen, die in ein anderes Land gehen, den dortigen Gepflogenheiten anpassen. Doch Begrüßungsrituale sind stark kulturell geprägt. So kann es passieren, dass eine muslimische Frau einem Mann nicht die Hand geben möchte und umgekehrt, also der Handschlag zwischen den Geschlechtern nicht praktiziert wird. Das sollte respektiert werden. Wenn man unsicher ist, ob man jemandem zur Begrüßung die Hand reichen soll oder nicht, achtet man am besten auf die Körpersprache des Gegenübers. Sie gibt zumeist Aufschluss darüber, ob die Geste erwidert wird. Im Übrigen muss man sich auch nicht immer mit Handschlag begrüßen. Man denke zum Beispiel an Ärzte, die dies mitunter auch nicht tun, um die Übertragung von Krankheiten zu vermeiden.

Ahmet Toprak, Professor für Erziehungswissenschaften

Themen für den Smalltalk

Bei Smalltalks und ersten Gesprächen mit Geflüchteten ist es wichtig, dass man nicht über „harte“, sondern zunächst über „weiche“ Themen spricht, mit denen man den anderen nicht in Bedrängnis bringt. So kann man sich zum Beispiel nach Geschwistern und der Familie erkundigen. Solche Fragen werden meist gern beantwortet. Hierzulande empfindet sie zwar manch einer als zu privat, doch in Ländern wie beispielsweise Syrien oder der Türkei gelten sie als völlig normal. Ein „hartes“ Thema wie die Erlebnisse im Heimatland oder auf der Flucht klammert man zu Beginn besser aus. Zum einen könnte dies für die andere Person sehr belastend sein, was dazu führt, dass sie sich zurückzieht. Zum anderen, und das ist wichtig, kann es den Fragesteller selbst überfordern, denn möglicherweise erzählt ihm die Person auch von schlimmen Geschehnissen, und er weiß nicht, wie er mit diesem Wissen umgehen soll.

Ahmet Toprak, Professor für Erziehungswissenschaften

Angebote

Interkulturelle Kommunikation

Das Portal „überaus“ des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) informiert ausführlich zu Themen wie interkulturelle Kompetenz und interkulturelle Kommunikation.

Geschäftskommunikation

Bei dem EU-Projekt „MIG-KOMM“ geht es zwar um mehrsprachige interkulturelle Geschäftskommunikation, doch auch hier finden sich nützliche Anregungen.