#10 Mehr Unterstützung: Welche Möglichkeiten der außerbetrieblichen Förderung gibt es?

Ausbilder*innen wollen die Auszubildenden während der Ausbildung optimal fördern. Auszubildende mit Fluchterfahrung können zum Beispiel aufgrund ihrer persönlichen Lebenssituation oder noch nicht perfekter Deutschkenntnisse einen größeren Bedarf an Förderung haben, um den sich der/die Ausbilder*in nicht allein kümmern kann. Doch es gibt eine Vielzahl an Angeboten, die Auszubildenden auch außerhalb des Betriebs helfen. Ebenso gibt es für Betriebe in vielen Bereichen Unterstützung während der Ausbildung von Geflüchteten.

Antworten

Worauf sollte ich mich einstellen?

Auszubildende mit Fluchthintergrund bringen eine andere Vorgeschichte mit als Jugendliche, die in Deutschland aufgewachsen sind. Wenn sie eine Ausbildung beginnen, haben sie in der Regel bereits einen Weg, der von unterschiedlichen Institutionen begleitet wurde, hinter sich. Außer im Beruf müssen sie sich auch in einer für sie fremden Gesellschaft zurechtfinden. Ihre Wohn- und Lebenssituation unterscheidet sich zum Teil erheblich von der anderer Azubis, sie kennen die Möglichkeiten, sich zu informieren und beraten zu lassen, (noch) nicht. Sie wissen vielleicht nichts über örtliche Freizeit- und Vereinsangebote, wissen möglicherweise nicht, dass Volkshochschulen Sprachkurse anbieten und dass es viele ehrenamtliche und kommunale Angebote gibt, die sie nutzen können.
Als Ausbilder*in sind Sie auch bei Fragen des privaten Alltags gefordert.
Doch auch für Sie gibt es Unterstützung:
Arbeitsagenturen, Jobcenter, Wirtschaftsverbände und Industrie- und Handelskammern sind wichtige Partner beim Zugang zur Berufsausbildung sowie zu den Förderinstrumenten der Bundesagentur für Arbeit. Zusätzlich leisten Einrichtungen, die täglich mit geflüchteten Jugendlichen zusammenarbeiten, gute Arbeit. Dazu zählen freie Träger, Migrantenorganisationen und zahlreiche ehrenamtliche Netzwerke.

Als Ausbilder*in können Sie auf verschiedene Angebote, die Sie in Ihrer Arbeit unterstützen, zugreifen:

  • Unterstützung während der Ausbildung
  • Unterstützung außerhalb der Ausbildung
  • Rat und Tat für Jugendliche mit Fluchterfahrung

Konkret: Was hilft?

Unterstützung während der Ausbildung

Eine Auswahl

Assistierte Ausbildung (AsA)
Ein Ausbildungsbegleiter, der von einem Bildungsträger zur Verfügung gestellt wird, unterstützt die/den Azubi. Zum Beispiel kümmert er sich um Nachhilfe in fachtheoretischen Kenntnissen, den Abbau von Sprachdefiziten, vermittelt bei Konflikten und trägt Sorge dafür, dass die Berufsausbildung nicht abgebrochen wird.

Ausbildungsbegleitende Hilfen (abH)
In Abstimmung mit dem Arbeitgeber sowie der Berufsschule, also möglichst individuell, werden Wissensvermittlung in Allgemeinbildung oder Fachtheorie, Sprachunterricht und sozialpädagogische Begleitung angeboten. Der Unterricht nimmt drei bis acht Stunden wöchentlich ein, die außerhalb der Arbeitszeit liegen.

Industrie- und Handelskammern
Ansprechpartner für Unterstützungsangebote sind auch die 79 IHKs, die zum Beispiel dabei helfen, ehrenamtliche Paten zu finden. Sogenannte Willkommenslotsen beraten kleine und mittelständische Unternehmen und vermitteln unter anderem Kontakte zu Integrations- und Qualifizirungsangeboten.

Die Bundesregierung ergänzt die  Beratungs- und Vermittlungsangebote der Agentur für Arbeit mit Unterstützungsmaßnahmen speziell für Geflüchtete. Sie hat verschiedene Beratungs- und Förderangebote entwickelt oder erweitert, um insbesondere auch die Vermittlung von jungen Geflüchteten in eine Ausbildung zu unterstützen.

Unterstützung außerhalb der Ausbildung

Ehrenamtlich arbeitende Einrichtungen und Einzelpersonen helfen Geflüchteten in vielen Bereichen: Sie begleiten zu Behörden, helfen bei der Wohnungssuche, unterstützen bei den Hausaufgaben, organisieren Sportveranstaltungen oder thematische Treffen. Und: Sie helfen dabei, Ängste und Vorurteile innerhalb der Bevölkerung abzubauen.

Kommunale Stellen, kirchliche oder frei organisierte Angebote, Flüchtlingsräte, Sozialdienste, Nachbarschaftshilfen, Integrationszentren, Vereine – bis zu „Spendenaktion Fahrräder für Geflüchtete“ reichen die Angebote, die es in jeder Kommune gibt.

Ehrenamtliche Helfer
Es gibt viele Menschen, die sich innerhalb oder außerhalb von Organisationen ehrenamtlich für Geflüchtete engagieren und ihnen auf unterschiedlichste Weise Hilfe bieten. Vielleicht ist die/der Azubi sogar durch die Vermittlung einer solchen Organisation in die Firma gekommen. Wenn die/der Azubi bereits eine Begleitperson hat, kann sie ein Ansprechpartner auch für berufliche Belange sein. Falls nicht, können örtliche soziale Träger eine/n geeignete/n Ehrenamtler*in vermitteln. Diese Begleitperson kann unterschiedliche Aufgaben übernehmen, zum Beispiel Deutschunterricht geben, beim Bestehen in der Berufsschule helfen oder vielleicht auch Unterstützung bei berufsbezogenen Themen bieten.

Ehrenamtlich ist auch die Initiative VerA, „Stark durch die Ausbildung“, ein kostenloses Mentoren-Programm des Senior Experten Service für Jugendliche (mit und ohne Migrationshintergrund), die während ihrer Ausbildung Probleme haben. Geschulte Expert*innen helfen Azubis, einen Abbruch der Ausbildung zu vermeiden.

Mit Google Maps können Sie nach Ehrenamtsangeboten in Ihrer Nähe suchen, die Ihre Auszubildenden unterstützen.

Rat und Tat für Jugendliche mit Fluchterfahrung

Auszubildenden, die sich in einer neuen Umgebung zurechtfinden müssen, mangelt es an einem strukturierten Zugang zu Informationen über Angebote, die sie nutzen können, oder Stellen, an die sie sich wenden können.

Unterstützung und Beratung für Jugendliche leisten bundesweit die Jugendmigrationsdienste (JMD). Sie bieten auch eine anonyme Online-Beratung für Jugendliche an, die über das Internet-Portal der JMD aufgerufen werden kann.

Viele Unterstützungsangebote für Geflüchtete sind schwer zu finden. Clarat gibt Orientierung.

Das Modellprojekt „jmd2start – Begleitung für junge Flüchtlinge im Jugendmigrationsdienst“ berät junge Geflüchtete bundesweit an 24 Standorten.

Auch die Jugendsozialarbeit vor Ort steht Geflüchteten beratend zur Seite.

Handbookgermany.de ist ein Informationsportal für geflüchtete Menschen, das über verschiedene Aspekte des Lebens in Deutschland informiert und das Ankommen erleichtert.

Angebote

Unterstützung vor und während der Ausbildung

  • Antworten auf Voraussetzungen für die Einstellung Geflüchteter, Fragen zu Praktika und Fördermöglichkeiten bietet die Bundesagentur für Arbeit. Weitere Informationen gibt es beim Arbeitgeber-Service der Agenturen für Arbeit vor Ort.
  • Kleine und mittlere Unternehmen erhalten von JOBSTARTER-Projekten maßgeschneiderte Beratung und konkrete Unterstützung zur Ausbildung ihres Fachkräftenachwuchses. KAUSA unterstützt jugendliche Geflüchtete beim Einstieg in eine Ausbildung.
  • Das Externe Ausbildungsmanagement richtet sich an Betriebe, die Geflüchtete ausbilden wollen, aber bisher noch keine Erfahrungen gesammelt haben. EXAM-Dienstleister begleiten die Ausbildung: Sie schätzen den betrieblichen Ausbildungsbedarf ein, beraten zu Ausbildungsberufen, gewinnen Auszubildende und vermitteln bei Konflikten zwischen Betrieb, Berufsschule und Auszubildenden.
  • Wir zusammen ist ein Netzwerk, das den Einsatz deutscher Unternehmen für die Integration von Geflüchteten zeigt. Hier finden Sie Angebote zur Orientierung und Qualifizierung, die Neuankömmlingen beruflich und gesellschaftlich den Start erleichtern.