#2 Sprachliche Hürden: Wie meistere ich die Verständigung?

Da neue Auszubildende mit Fluchterfahrung bereits Integrationskurse durchlaufen haben, verfügen sie zumindest über grundlegende Kenntnisse der deutschen Sprache. Doch nur im Gespräch – und bei der Arbeit – lässt sich das tatsächliche Sprachniveau richtig einschätzen. Verständnisschwierigkeiten sind auch bei vorhandenen Deutschkenntnissen möglich, zumal in fast jedem Beruf eine eigene Fachsprache gesprochen wird, die jede/r neue Auszubildende erlernen muss. Ebenso können kulturelle Hintergründe die Kommunikation beeinflussen. Ausbilder*innen stehen vor der Herausforderung, für eine gelingende Kommunikation zu sorgen und die Sprachkenntnisse der Auszubildenden zu fördern.

Antworten

Das Sprachniveau einschätzen

Ein Abschluss oder Zertifikat gibt nicht unbedingt Aufschluss über das tatsächlich vorhandene Sprachvermögen, da die Qualität der Kurse sehr unterschiedlich ist. Zudem lernen Menschen individuell und können sich Sprachen unterschiedlich schnell aneignen. Jemand, der seit vier Jahren in Deutschland lebt, muss die Sprache nicht besser beherrschen als jemand, der seit einem halben Jahr hier lebt. Außerdem ist die deutsche Sprache sehr komplex aufgebaut und schwieriger zu erlernen als zum Beispiel Englisch. Am besten kann man sich in Gesprächen mit den Azubis einen Eindruck vom Sprachniveau verschaffen.
Was auch eine Rolle spielt: Gestik und Mimik machen einen hohen Anteil der Kommunikation aus. Die Wirkung auf andere Menschen hängt
zu 55 Prozent vom äußeren Erscheinungsbild ab,
zu 38 Prozent davon, wie gesprochen wird,
und zu 7 Prozent von den Inhalten.

Mit Verständnisschwierigkeiten umgehen

Auch bei vorhandenen Deutschkenntnissen können in der Kommunikation Missverständnisse entstehen, und zwar sowohl auf der sprachlichen als auch auf der persönlichen Ebene.

Die sprachliche Ebene
Das Deutsche birgt für Nicht-Muttersprachler verschiedene Stolpersteine. So haben nicht wenige Wörter im Deutschen mehrere Bedeutungen, wie zum Beispiel „Bank“ oder „Mutter“.
Es gibt Redewendungen, die sich nicht erschließen lassen: „etwas aus dem Ärmel schütteln“ oder „über den Berg sein“ ist für Menschen, die die deutsche Sprache lernen, erklärungsbedürftig.
Oder der Sprechende wird nicht verstanden, weil er Silben anders betont. Auch Dialekte und Umgangssprache sind für einen Nicht-Muttersprachler schwer zu verstehen.

Die persönliche Ebene
Es kann zu Unsicherheiten kommen, wenn der/die Azubi nicht weiß, wie man etwas richtig ausdrückt. Vielleicht möchte auch jemand nichts Negatives sagen, weil das in seinem Kulturkreis vermieden wird. Oder er fragt lieber nicht nach, weil er fürchtet, man könnte dies als unhöflich empfinden. Wenn zwei oder mehrere Auszubildende aus demselben Land stammen, sprechen sie möglicherweise in ihrer Muttersprache miteinander, was für sie zwar leichter ist, aber nicht zum Deutschlernen beiträgt und andere aus der Kommunikation ausschließt. Mehr dazu: Hintergrundwissen/Sprache

Deutschkenntnisse verbessern

Auszubildende müssen und werden auch innerhalb des beruflichen Umfelds ihre Sprachkompetenz erweitern. Der Vorteil besteht darin, dass sie dabei neue Kenntnisse handlungsnah erwerben und nicht nur theoretisch anhand von Lehrbüchern. Sie als Ausbilder*in können diesen Spracherwerb auf verschiedene Weise fördern:
Deutsch sollte die einzige Sprache für alle Mitarbeiter sein. Die Übersetzung von Begriffen in die Muttersprache eines Azubis trägt nicht dazu bei, dass sich die deutschen Begriffe im eigenen Sprachvokabular fest verankern. Besser ist es, unbekannte Wörter zu erklären und den Azubi aufzufordern, etwas, das er nicht versteht, anders zu umschreiben.
Während manche große Unternehmen interne Sprachkurse anbieten, können kleinere Firmen Azubis dabei helfen, außerhalb des Betriebs Kurse oder einen ehrenamtlichen Sprachlehrer zu finden.
Es gibt zahlreiche Plattformen und Apps, die Auszubildende beim Deutschlernen unterstützen, etwa das Portal
Ich will Deutsch lernen
des Deutschen Volkshochschul-Verbands.
Auch zu empfehlen:
ZUM Wiki Deutsch online lernen
Deutsch lernen mit Herz
Mehr dazu: unter Angebote für Auszubildende

Fachsprache vermitteln

Die für das jeweilige Arbeitsgebiet gebräuchliche Fachsprache muss sich jeder Azubi aneignen. Doch für Menschen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, stellt dies eine zusätzliche Hürde dar. Fachvokabular lässt sich durch Zeigen, Erläutern und Vormachen vermitteln, evtl. auch mithilfe von Zeichnungen und Beschriftungen. Hilfreich ist es auch, Begriffe in Deutsch zu umschreiben, damit sich der Azubi etwas darunter vorstellen kann.
Zum Umgang mit Fach- und Berufssprache(n)

Anregungen

Checkliste für die sprachliche Verständigung

Das kann man tun, um die sprachliche Verständigung zu erleichtern und die Deutschkenntnisse der Azubis zu verbessern:

  • langsam sprechen
  • möglichst einfache Wörter verwenden und lange Schachtelsätze vermeiden
  • vor allem zu Beginn möglichst keinen Dialekt sprechen
  • Azubis zum Reden und Nachfragen ermuntern und ihnen die Angst davor nehmen, etwas vielleicht nicht richtig auszudrücken
  • falsche Wörter oder Ausdrücke freundlich verbessern
  • Azubis einen Mitarbeiter aus dem Team als Coach oder Paten zur Seite stellen, der bei Sprach- und Verständnisproblemen hilft
  • Kollegen für die Stolpersteine beim Sprachlernen sensibilisieren und sie zum Helfen motivieren

Deutschkenntnisse im Arbeitsprozess verbessern

Um Deutschkenntnisse zu verbessern:

  • viel mit den Azubis sprechen
  • den Kontakt nicht über „Vermittler“ (die dieselbe Sprache sprechen) laufen lassen
  • Azubis ermuntern, Deutsch über Radio- und Fernsehprogramme zu schulen

Im Arbeitsprozess:

  • Aufgaben anders formulieren, wenn man merkt, dass sie nicht verstanden werden
  • regelmäßige Feedbackrunden einrichten
  • Begriffssammlungen vor und nach neuen Lerneinheiten anfertigen lassen
  • zum Führen eines Vokabelhefts, in das Fachbegriffe eingetragen werden, auffordern
  • lange Wörter wie Bruttoentgeltabrechnung in einzelne Wörter zerlegen und so verständlicher machen

Hatice Aslantürk, Pädagogische Mitarbeiterin

Hilfreich: ein Wörterbuch

Als ich nach Deutschland gekommen bin, hatte ich immer ein Wörterbuch dabei, um sofort nachschlagen zu können, wenn ich etwas nicht verstanden habe. Aber es gibt auch Wörter, die nicht in dem Buch stehen. Ich lebe im Ruhrgebiet, und dort hört man oft das Wort „Malocher“. Wenn ein Wörterbuch nicht weiterhilft, muss man eben nachfragen!

Sajid Khan, Auszubildender

Angebote

für Ausbilder*innen

für Auszubildende

Informieren Sie die Auszubildenden über Unterstützungsmöglichkeiten beim Erlernen der deutschen Sprache:

Apps & Co

  • Mit einem kostenlosen Deutschkurs können Arabisch und Englisch sprechende Menschen über WhatsApp erste Sprachkenntnisse erwerben.Wer sich mit dem Smartphone anmeldet, bekommt täglich eine Lektion zugesendet: WhatsGerman
  • Eine kostenlose App, die den Spracherwerb unterstützt und bei der richtigen Aussprache hilft