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SMARTtalks

Sprechen wir drüber!
Ob digital native, digital affin oder digitale/r NeueinsteigerIn: mit der Digitalisierung verändert sich das Lernen. Damit daraus Chancen für alle werden, braucht es kluge Konzepte. Hier sind Erfahrungsberichte und Anregungen.

 

Angebotsübersicht

SAMR-Modell
Ruben C. Puentedura beschreibt in seinem SAMR-Modell vier Ebenen von Lernen mit digitalen Medien: Substitution – Augmentation – Modification – Redefinition. Auf der ersten Ebene ersetzen digitale lediglich analoge Medien. Die vierte Ebene umfasst neuartige Lernformate, die erst durch die neuen Medien möglich werden.

Learners as Designers
Beim Lerarners as designers-Ansatz gestalten die Lernenden selbst Lernmaterialien oder -medien. Ziel ist es, durch die aktive Partizipation am eigenen Lernprozess eine bessere Lernqualität zu erreichen.

Digital Learning Farm
Alan November fokussiert die passive Rolle von Kindern und Jugendlichen im System Schule. Dem setzt er sein Konzept der Digital Learning Farm entgegen, mit dem er Schülern wieder Verantwortung zuweisen möchte und ihnen Raum gibt, selbst zur Lerngemeinschaft beizutragen.

Frank Thissen
Hochschule der Medien, Stuttgart

Frank Thissen ist Professor an der Hochschule der Medien in Stuttgart. Seine Forschungsschwerpunkte sind unter anderem die Möglichkeiten des mobilen Lernens in der Schule und die Bedeutung von virtuellen und realen Lernräumen. www.frank-thissen.de

Frank Thissen ist davon überzeugt, dass die Schule im digitalen Zeitalter als ein „Experimentallabor“ gedacht werden muss. Im „Innovation-Lab“ arbeitet er an kreativen Lernszenarien der Zukunft. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, wo – mit Blick ins Ausland – schon heute innovativ gelernt wird, um Schüler auf die sich rasant verändernde Lebenswelten vorzubereiten.

Zunächst einmal müssen wir kurz über den Medienbegriff sprechen. Häufig werden nämlich digitale Medien als Ersatz für analoge Medien angesehen, und das Konzept dahinter ist die Idee, dass Medien Informationen in irgendeiner Form übermitteln. In dem Zusammenhang sprechen wir dann auch vom Wissenstransfer. Ich halte dieses Konzept für problematisch, da Wissen weder übertragen noch abgespeichert werden kann und analoge Medien nicht dadurch besser werden, dass sie nun digital sind.

Ruben Puentedura hat mit seinem SAMR-Modell aufgezeigt, dass mobile digitale Geräte uns nun Dinge ermöglichen, die es so bisher noch nicht gab. Digitale Technologien sollten also als Erweiterung von Möglichkeiten das Lernen zu fördern angesehen werden. Zudem bin ich davon überzeugt, dass der „Learners as Designers“-Ansatz von David H. Jonassen das adäquate Konzept zur Nutzung der Technologien ist, um Lerner zu aktivieren, ihr selbstgesteuertes Lernen zu fördern und sie die 21st Century Skills erwerben zu lassen. Was wir brauchen ist ein neues Konzept von Schule, in dem nicht einfach digitale Technologien Einzug halten, sondern in dem Schule als System neu gedacht wird. Der amerikanische Pädagoge Alan November nennt diese Schule eine „Digital Learning Farm“

Es gibt in anderen Ländern Beispiele, die vorbildlich sein können. So zum Beispiel die Albemarle Public Schools in Virginia, in denen Lernen in einem MakerSpace stattfindet. Auch das Konzept der School in the Cloud des indischen Pädagogen Sugata Mitra halte ich für hervorragend. Er hat nachgewiesen, dass Kinder dazu in der Lage sind, mit Hilfe des Internets selbstgesteuert zu lernen und sich mit den „großen Fragestellungen“ auseinanderzusetzen.

Stellen Sie alles infrage, was Sie bisher über Schule denken. Unsere Welt verändert sich zurzeit so radikal, wie nie zuvor in der Geschichte der Menschheit. Das Leben wird zunehmend komplexer, eine Welt ohne Internet und Computertechnologien wird es nicht mehr geben, und unserer heutigen Schüler müssen auf Veränderung und große Herausforderungen vorbereitet sein. Dies lässt sich nicht mehr mit dem alten Konzept der Schule des Industriezeitalters realisieren.

Prof. Dr. Christoph Igel

ist Wissenschaftlicher Leiter des Educational Technology Lab des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz in Berlin.
Wir sprachen mit ihm über das Thema Bildung 4.0. und welche Auswirkungen neue digitale Technologien auf die Bildung haben.

Karl-Heinz Land

ist Digitaler Darwinist und Gründer der Strategieberatung neuland.digital in Köln.
Wir sprachen mit ihm darüber, wie zeitgemäße Bildung in der digitalen Welt gelingen kann: Lernen neu denken!

Dr. Heike Schaumburg

ist Erziehungswissenschaftlerin an der Humboldt-Universität zu Berlin.
Mit ihr sprachen wir darüber, ob Algorithmen wirklich besser entscheiden als die Lehrerin oder der Lehrer, welche Förderung ein Kind benötigt. Individualisiertes Lernen mit digitalen Medien: Wie geht das?

Eyleen Goldschmidt

ist Schülerin und Youtuberin.
Was denkt sie über digitale Medien und Tools  in der Schule? Welche Erfahrungen hat sie gemacht? Und wie könnte die Schule der Zukunft aussehen? Das sind ihre Antworten:

Klaus Zierer
Universität Augsburg

Klaus Zierer ist Erziehungswissenschaftler und seit 2015 Ordinarius für Schulpädagogik an der Universität Augsburg. Er hat die „Hattie-Studie“ zusammen mit Wolfgang Beywl ins Deutsche übertragen, führt sie mittlerweile aber auch in eigenständigen Projekten und Publikationen fort.

Er folgt dem Leitsatz: Pädagogik vor Technik. Technik um der Technik willen ist aus meiner Sicht sowohl für Lernprozesse als auch für Bildungsprozesse gefährlich. Ein Beispiel: Wir wissen, dass die Ersetzung von Papier und Bleistift durch einen Laptop oder auch die Ersetzung von Büchern durch Tablets negative Effekte auf die Lernleistung von Kindern und Jugendlichen haben kann. Ebenso ist bekannt, dass ein unreflektierter Medienkonsum nicht zur ökologisch problematisch ist, sondern auch für die Gesundheit von Menschen Risiken mit sich bringt. Diese Schattenseiten einer Digitalisierung dürfen nicht aus den Augen verloren werden und sie fordern auf, Digitalisierung immer wieder einer kritischen Prüfung zu unterziehen.

Aus pädagogischer Sicht lohnt daher die Rückbesinnung auf den Menschen, der Ausgangspunkt und Ziel von Erziehung und Unterricht ist. Eine umfassende Medienbildung ist daher unumgänglich und sie umfasst die Bereiche der Medienkunde, der Mediennutzung, der Mediengestaltung und der Medienkritik – mit einem klaren Ziel: Die Technik hat dem Menschen zu dienen. Kinder und Jugendliche müssen lernen, wann es sich lohnt, digitale Medien einzuschalten. Sie müssen aber auch lernen, wann es sich lohnt, digitale Medien auszuschalten. Im Unterricht gelten diese Grundsätze für den Einsatz von digitalen Medien in gleicher Weise: Digitalisierung macht überall dort Sinn, wo sie zu einer Optimierung von Lernprozessen führt. Und sie ist überall dort zu verwerfen, wo sie diesem Anspruch nicht gerecht wird.

Erfolgreiche Digitalisierung im Bildungsbereich braucht im Wesentlichen drei Dinge: Erstens Strukturen. Zweitens Menschen, die diese Strukturen zum Leben erwecken. Und drittens eine Vision von Bildung, die handlungsleitend wird. Das Entscheidende: Das Letzte ist das Wichtigste! Ohne diese Vision ist alles andere inhaltsleer und ziellos. Leider können wir das derzeit in vielen Feldern beobachten: Es wird kräftig investiert – zur Freude der Wirtschaft –, aber ohne eine Idee davon zu haben, was eigentlich damit erreicht werden soll. Aussagen, wie zum Beispiel „Wir müssen bei der Digitalisierung im Feld experimentieren.“, offenbaren dieses Unvermögen. Also lasst uns zunächst gründlich überlegen, welche Bildung uns wichtig ist und welche Gesellschaft wir wollen. Sodann lasst uns die Menschen so stärken, dass sie dies erreichen können. Dafür werden gewisse Strukturen zu verändern sein, die dann aber nicht nur zufällig wirken, sondern den Menschen dienen und auf ein Ziel hin ausgerichtet sind.

Digitalisierung kann Menschen und ihre Ideen in besonderer Weise verbinden – vor allem auch dann, wenn diese Menschen nicht zur selben Zeit am selben Ort sind: der Austausch über eine sekundenschnelle Auswertung eines digitalen Schülerfeedbacks oder einer Lernleistungsdiagnose, die Videokonferenz mit einer Buchautorin oder die raum-zeit-unabhängige Kooperation mit einer Klasse im Ausland über Clouds – all das sind einfache Beispiele, die aufzeigen, wie mithilfe von digitalen Medien neue Wege des Lernens beschritten werden können.

Der Unterricht der Zukunft kann sich durch einen höheren Grad an sozialer und kognitiver Vernetzung auszeichnen. Allerdings sind das Möglichkeiten, die deutlich zeigen: sie sind keine Selbstläufer. Auch hier ist die Professionalität von Lehrpersonen entscheidend, diese neuen Wege zu erkennen und in den Unterricht zu integrieren.

Andreas Hofmann
Waldschule Hatten

Andreas Hofmann ist Lehrer an der Waldschule Hatten und Medienpädagogischer Berater des NLQ Niedersachsen. 2012 führte er an seiner Schule Tablets ein – damals ein Novum. Heute begleitet er andere Schulen bei diesem Transformationsprozess.

Aysha Kharboutli
Christian-Rohlfs-Gymnasium, Hagen

Aysha Kharboutli besucht die 10. Klasse des Christian-Rohlfs-Gymnasiums in Hagen. 2017 hat sie an der VorbilderAkademie Metropole Ruhr von Bildung&Begabung teilgenommen und möchte nach der Schule Medienwissenschaften studieren.
Wir haben sie gefragt, mit welchen digitalen Medien und Lernmitteln sie im Unterricht arbeitet und wie sie die einschätzt.